|
Nie mehr zurück in dieses Haus
- Familie berichtet nach dem Fernsehbrand - Fußballclub hat ein Spendenkonto eingerichtet
Die Kontonummer ist 1 51 02 04 86, die Bankleitzahl 69 45 00 65 und das Stichwort „Hausbrand Familie Lubenow“
Furtwangen – Diese fünf Minuten verfolgen die Familie Lubenow wie einen Horrorfilm. Es ist die Spanne zwischen den Zeitpunkten, an denen Helmut Lubenow am vergangenen Donnerstagnachmittag den Schlafzimmerfernseher aussteckte und wenig später die gesamte Familie vor ihrem Haus vor der Gartenstraße stand, die Flammen aus dem Obergeschoss schlagen sah und auf die Feuerwehr wartete. Gefühlt „eine Ewigkeit“, in Wahrheit nur wenige Minuten später begannen die Löscharbeiten des Zimmerbrandes. „Ich habe mit unserem Siebenjährigen Marcel ferngesehen. Plötzlich verabschiedete sich das Bild. Ich habe das Gerät abgeschaltet, den Steckdosenschalter umgelegt und bin mit Marcel nach unten gegangen, bei meiner Frau vorbei, die mit Marvin, dem Achtjährigen, ebenfalls fern sah und dann allein weiter in den Keller.“ Vor der Tür rauchte der 38-Jährige eine Zigarette und bemerkte, was es mit den klirrenden Glasgeräuschen und dem plötzlichen Brandgeruch auf sich hatte: Aus dem Schlafzimmerfenster züngelten Flammen. „Ich rannte ins Haus die Treppe hoch, sah, dass ich nicht löschen konnte, schloss oben die Tür, schrie ’Feuer, Feuer!’ und half meiner Frau die Kinder anzuziehen und das Haus zu verlassen“, so das Protokoll der Geistesgegenwart. Das rauchfrei gehaltene Treppenhaus ermöglichte auch Gabriele und Kerstin Weiß, Mutter und Schwester von Alexandra Lubenow, die Dachgeschosswohnung zu verlassen. Sechs Tage nach dem Unglück: Die Familie sitzt um den Küchentisch im unversehrten Erdgeschoss. Nur die Buben fehlen. Sie sind bei der Oma. „Ich lasse sie nicht mehr in die Kinderzimmer. Sie sollen keinen seelischen Schaden nehmen“, sagt ihre Mutter Alexandra Lubenow. Wer sich in den Räumen im Obergeschoss umschaut, versteht das. Im Schlafzimmer liegt das angerußte Bettgestell auf einem Haufen. Wo der Fernseher, ein zwölf Jahre altes Röhrengerät, stand, breitet sich eine Kraterlandschaft aus verbogenem Metall und verschmortem Plastik aus. Die Fensterscheibe ist kaputt, das Fenster mit einer Spanplatte wetterfest gemacht.
Der ganze Raum stinkt nach Rauch. Eine dünne Wand – vermutlich ehemals eine Tür – zeigt, wie nah das Kinderzimmer von Marvin liegt. „Zwei Minuten länger, dann hätte es dort auch gebrannt“, sagt Helmut Lubenow. Im Kinderzimmer stehen der Kleiderschrank und das Hochbett kreuz und quer: von der heißen Wand weggerissen. Die Carrerabahn – ein Weihnachtsgeschenk – liegt zertreten an der Fensterwand. Bei der Brandbekämpfung war keine Zeit für Rücksicht. Mit dem Inventar im Obergeschoss will die Familie am liebsten abschließen, doch über die künftige Nutzbarkeit mancher Möbelstücke setzt nun das Feilschen mit der Hausratversicherung an. „Ich mag daran nicht mehr erinnert werden“, sagt Alexandra. Sie trägt eine verwaschene Jeans und einen alten Pulli. Ihre Kleider hingen im Schrank im Schlafzimmer. Der stand neben dem Fernseher. „Der Rauchgestank geht auch nicht beim Waschen raus“. Die Kleidung ist Müll. Anderes die Kleidung ihres Mannes und der Kinder. Sie waren weit genug vom Brandherd untergebracht. Kerstin Weiß kam bei ihrem Freund unter, Gabriele Weiß, deren Dachwohnung während der Renovierung nicht genutzt werden kann, sucht dringend eine Zweizimmerwohnung in der Furtwanger Innenstadt. Ihre gegenwärtige Unterkunft ist „stressig“. Am Mittwochnachmittag treffen sich die Erwachsenen in der Wohnung, weil dieser Tage die Versicherer ein und ausgehen. Am Donnerstag wird der verbliebene Hausrat taxiert, am Montag beginnen schon die Reparaturen. „Das gesamte Obergeschoss – Schlafzimmer, zwei schmale Kinderzimmer, eine Diele und ein kleines Bad – wird ausgebeint“, kündigt das Ehepaar an. Die Umbauzeit wird auf sechs Wochen geschätzt. Die Lubenows bekamen, nach den ersten Tagen bei der Oma, am Montag im Vorderschützenbach eine möblierte Dachwohnung zur Verfügung gestellt. „Aber auch Bürgermeister Herdner hätte uns eine unmöblierte Wohnung an der Kirnerstraße organisiert“, skizziert der Familienvater die große Hilfsbereitschaft nach dem Unglück. „Aber möbliert ist schon besser.“ Verwandte, Nachbarn, Feuerwehr standen mit Trost bereit und boten Kleidung, Möbel oder Spielzeug. Die Arbeitgeber IEF Werner und Ganter zeigen großes Verständnis. Erste Spenden liegen vor. „Das Geld legen wir zurück, bis wir es brauchen“, so die 34-jährige Mutter, die derzeit krankgeschrieben ist: Der Schock wirkt nach. „Ich habe am Donnerstag funktioniert, solange die Buben in der Nähe waren. Danach kam der Zusammenbruch.“ In ihr 2008 erworbenes und seither in Eigenregie umgebautes Haus zieht die Familie wegen der schrecklichen Erinnerungen nicht mehr zurück. Das Haus werde man vermieten oder verkaufen und zuvor die Elektrik fachgerecht überprüfen lassen, verspricht der Familienvater. Die Brandopfer werden in die ehemalige Hausmeisterwohnung auf dem FC-Gelände ziehen, erläutert Lubenow, der beim Fußballclub 07 als Jugendbetreuer fungiert. „Dieser Umzug steht seit einem Jahr fest und hat nichts mit dem Brand zu tun.“ Der FC 07 Furtwangen hat bei der Sparkasse ein treuhänderisches Spendenkonto eingerichtet. Die Kontonummer ist 1 51 02 04 86, die Bankleitzahl 69 45 00 65 und das Stichwort „Hausbrand Familie Lubenow“.Quelle:Südkurier |