Trotz Not wieder Meister
Hohe Schulden, Arbeitslosigkeit und sinkende Einnahmen zwangen den Verein sogar zu einem freiwilligen Abstieg. Dennoch wurden 1930/31 beide Mannschaften Meister; die Erste kehrte in die Kreisliga zurück.
Vom spontanen Kick auf dem Weg zur Martinskapelle über die Rabenhöhe und den Sportplatz an der Breg bis zu Pokalsiegen, Verbandsliga, Vereinsheim und einer starken Jugend: Die Geschichte des FC 07 ist vor allem eine Geschichte von Menschen, die angepackt haben.
Die Idee für den FC 07 entstand nicht in einem Sitzungssaal, sondern auf einer Wanderung.
Schon Ende des 19. Jahrhunderts brachten Uhrmacherschüler den Fußball nach Furtwangen. 1897/98 spielte die „Teutonia“, später folgten „Stern“ und „Germania“. Der entscheidende Impuls kam im Mai 1907: Karl Hummel, Karl Hirt, August Kirner, Karl Heim und Josef Tomscha waren auf dem Weg über die Katharinenhöhe Richtung Martinskapelle. Unterwegs kickten sie mit Pflanzen und herumliegenden Gegenständen – und beschlossen, einen eigenen Fußballclub zu gründen.
Am 2. Juni 1907 trafen sich zehn Männer im Gasthaus „Fortuna“. Karl Hummel wurde erster Vorsitzender, Karl Hirt erster Spielführer. Nur wenige Wochen später, am 15. August 1907, gewann der junge Club sein erstes Wettspiel gegen den FC 04 Gütenbach mit 8:0. 1908 pachtete der Verein auf der Rabenhöhe einen Sportplatz, den die Spieler vor Training und Spiel zunächst zu Fuß erklimmen mussten.
Stehend von links: Adolf Thurner, Albert Scherer, Hans Decker, Karl Hummel, Karl Hirt, Karl Heim, Josef Tomscha. Kniend: Luscher, Riemer. Liegend: Fr. Fehrenbacher, Eugen Hettich, Karl Zuckschwert.
Der lange Weg von der abgelegenen Rabenhöhe führte den Verein mitten in die Stadt – und in eine neue sportliche Epoche.
Weil die Rabenhöhe weit außerhalb lag und die Pacht immer wieder Schwierigkeiten bereitete, suchte der Verein nach einem zentraleren Gelände. Durch das Entgegenkommen der Fabrikanten Oskar und Felix Ketterer konnte an der Breg ein Grundstück gepachtet werden. Im April 1921 begann der Bau, Ende August 1922 wurde der neue Platz eingeweiht.
Der sportliche Aufschwung ließ nicht lange auf sich warten: 1925 wurde die erste Mannschaft Bezirksmeister der A-Klasse, 1926 folgte die A-Klassengaumeisterschaft im Hochschwarzwald und damit die Aufnahme in die Kreisliga. 1927 kaufte der Verein das Gelände für 2.900 Reichsmark; 1928 wurde der FC 07 als Eigentümer ins Grundbuch eingetragen.
Stehend von links: Walter Siedle, August Seifritz, Fritz Fehrenbach, Egon Thoma, Otto Meyer (Saig). Kniend von links: Karl Zuckschwert, Otto Hoch, Josef Schlageter. Sitzend von links: Karl Kienzler, Fritz Müller, Karl Hirt (1. Vorsitzender).
Hohe Schulden, Arbeitslosigkeit und sinkende Einnahmen zwangen den Verein sogar zu einem freiwilligen Abstieg. Dennoch wurden 1930/31 beide Mannschaften Meister; die Erste kehrte in die Kreisliga zurück.
Eine Vereinslotterie brachte 3.000 Reichsmark Reingewinn für den Sportplatzumbau. 1935 wurde der erneuerte Bregsportplatz eingeweiht.
Die Jugendmannschaft wurde Schwarzwaldmeister und erreichte bei den badischen Meisterschaften gegen VfR Mannheim, FC Pforzheim und FC Adelsheim Rang drei.
Der Krieg brachte den Spielbetrieb zum Erliegen. Nach Kriegsende wurden die Vereine aufgelöst; 1950 erhielt der FC 07 seine Selbstständigkeit zurück.
Nach den schwierigen Nachkriegsjahren wuchs der FC 07 sportlich und organisatorisch wieder zu einer festen Größe im Schwarzwald.
1956 gelang der 1. Mannschaft als Meister der A-Klasse der Wiederaufstieg in die II. Amateurliga. In den folgenden Jahren wurde die Infrastruktur weiter ausgebaut: Das neue Umkleidehaus entstand, eine Beleuchtungsanlage kam hinzu und der Bregtalpokal entwickelte sich zu einer festen Tradition.
1967 feierte der Verein sein 60-jähriges Bestehen. Die Mannschaftsaufnahme aus diesem Jubiläumsjahr dokumentiert eine Generation, die den FC 07 durch eine Phase des Aufbaus führte und damit wichtige Grundlagen für die späteren sportlichen Höhepunkte legte.

Stehend von links: Bruno Dilger, Lothar Bartle, Wolfgang Gronert, Harald Müller, Karl Dworski, Alfred Burger, Gerold Dilger, Karl Scherzinger. Kniend von links: Bernhard Kopp, Gerd Siedle, Rolf Zähringer.

Stehend von links: Karl Schneider (2. Vorsitzender), Erich Heine (Trainingsleiter), Reiner Koch, Manfred Baum, Burkhard Weike, Peter Rentrop, Hugi Schirmaier, Helmut Farin, Helmut Lubenow (in Zivil), Edwin Fischer (1. Vorsitzender), Adolf Brugger (Spielausschuss-Vorsitzender). Kniend von links: Alfred Bruger, Erich Maute, Alex Bürkle, Karl Trenkle.
Am 30. Mai 1970 schrieb der FC 07 in Offenburg eine seiner größten sportlichen Geschichten.
Nach dem Neubeginn der Nachkriegszeit wurde weiter gebaut und sportlich ambitioniert gearbeitet. 1960 konnte ein neues Umkleidehaus eingeweiht werden. In der Saison 1960/61 stieg die erste Mannschaft in die neu gebildete Schwarzwald-Bodensee-Liga auf. Der große Paukenschlag folgte 1970 mit dem Gewinn des Südbadischen Pokals.
Der Pokalsieg war nicht nur ein Titel, sondern ein Symbol für die sportliche Bedeutung, die sich der Verein über Jahrzehnte erarbeitet hatte. In den Folgejahren wuchs auch die Infrastruktur weiter: 1972 wurde der Hartplatz eingeweiht; von 1975 bis 1977 entstanden unter Mitwirkung der Stadt ein Rasenplatz, eine Laufbahn und ein modernes Umkleidegebäude. Die Stadion-Einweihung wurde gemeinsam mit dem 70-jährigen Jubiläum gefeiert.
Stehend von links: Vorsitzender Edwin Fischer, Staffelleiter Heinz Müller (Niedereschach), Klaus Weisenbach, Siegfried Lubenow, Herbert Kienzler, Spielführer Manfred Baum, Heinz-Jürgen Müller, Hubert Schmidt, Anton Berecic, Spielausschussvorsitzender Adolf Brugger, Trainer Hugo Schirmaier. Kniend von links: Peter Schlageter, Richard Huber, Manfred Albrecht, Eberhard Winker, Erich Maute.
Die jüngere Chronik verbindet sportliche Höhenflüge, prominente Gastspiele, harte Rückschläge und immer wieder starke Nachwuchsarbeit.
Mit der Rückkehr des früheren Profis Urban Klausmann als Spielertrainer begann 1983/84 ein neuer Aufschwung. Er erzielte selbst 45 Tore; die erste Mannschaft wurde mit neun Punkten Vorsprung Meister und kehrte in die Landesliga zurück. Auch die zweite Mannschaft wurde Meister und stieg in die Bezirksliga auf.
Nach einer begeisternden Aufholjagd wurde der FC 07 Meister der Landesliga Staffel 3. In einem Herzschlagfinale beim FC Neustadt sicherten sich die Grün-Weißen den Titel. Ein großer Autokorso durch Furtwangen und die Meisterfeier im Gasthaus Rössle machten den Erfolg zum Stadtereignis.
In dieser Ära wurde das Bregstadion auch zur Bühne für große Namen. Der 1. FC Kaiserslautern gastierte vor über 1.000 Zuschauern. Gegen den Hamburger SV kamen rund 2.700 Besucher; Michael Baum brachte den FC 07 nach fünf Minuten sogar mit 1:0 in Führung, ehe der Europapokalsieger die Partie 5:1 gewann. Auch AEK Athen sorgte für internationale Fußballluft.
1992 erhielt der Verein nach rund einem Jahr Planung den „Roten Punkt“ für ein neues Vereinsheim im Sportgelände. Spenden aus der Furtwanger Industrie in Höhe von annähernd 30.000 DM halfen bei der Finanzierung. 1994 konnte das Gebäude eröffnet werden.
Die Zahlen zeigen, wie sehr dieses Projekt vom Ehrenamt lebte: 45 Mitglieder und Helfer erbrachten in nur einem Jahr annähernd 3.500 freiwillige Arbeitsstunden. Peter Maute allein steuerte rund 650 Stunden bei. Das neue Heim entwickelte sich schnell zum Mittelpunkt des Vereinsgeschehens.
Parallel wuchs die Nachwuchsarbeit weiter. 1995/96 überschritt die Zahl der Jugendspieler erstmals die Marke von 200. Für die zehn am Spielbetrieb teilnehmenden Mannschaften mussten Trainer und Betreuer gefunden werden; erstmals stand zudem ein über Werbepartner finanzierter FC-Bus für die Jugend zur Verfügung.
Mario Ketterer und Alex Feucht wurden mit der südbadischen Auswahl Deutscher C-Jugendmeister. Mario Ketterer schaffte zudem den Sprung in die Schülernationalmannschaft und wechselte später zum SC Freiburg.
Die erste Mannschaft erzielte über 100 Saisontore und stieg über die Relegation auf. Die zweite Mannschaft wurde Meister.
Beide aktiven Mannschaften wurden Meister und stiegen auf. Die Erste erzielte 88 Tore, die Zweite sogar 94.
Die A-Jugend wurde nach dem Aufstieg in die Verbandsstaffel erneut Meister und marschierte in die Südbadische Jugendliga durch. Über 180 Jugendliche spielten in zehn Mannschaften.
Hintere Reihe von links: Trainer Rolf Burger, Phillipp Scherzinger, Uli Bärmann, Mario Ketterer, Bruno Lopez, Ercan Dilek, Matthias Jahr, Phillip Fink, Alexander Feucht, Trainer Herbert Ketterer. Vordere Reihe von links: Sven Fehrenbach, Alexander Prezer, Doriano Zeolla, Markus Dilger, Stefan Heine, Marco Burger, Muhamed Imeri.
Das Jubiläum 2007 war Rückblick und Zukunftsversprechen zugleich.
Der Verein feierte mit Festbankett, Festwochenende und mehreren großen Fußballveranstaltungen. Zu den Höhepunkten gehörte das Gastspiel des VfB Stuttgart im Bregstadion. Gleichzeitig zeigte die Jubiläumsschrift, worauf der FC 07 seinen besonderen Stolz gründete: auf Jugendarbeit, Ehrenamt, Gemeinschaft und die Fähigkeit, auch nach schwierigen Phasen immer wieder neu anzufangen.
Genau darin liegt der rote Faden der Vereinsgeschichte: Plätze wurden gebaut, verkauft, saniert und erweitert. Mannschaften stiegen auf und ab. Vorsitzende wechselten. Doch die Idee von 1907 – gemeinsam Fußball zu spielen und dafür Verantwortung zu übernehmen – blieb bestehen.
1907–2007100 Jahre Leidenschaft.Die Jubiläumsschrift führt die Vereinsvorstände von der Gründung bis zum Jubiläumsjahr auf. Bei Spielruhe, Vertretungen und der Phase als Allgemeiner Sportverein sind die historischen Hinweise bewusst mit aufgenommen.
Quelle: Jubiläumsschrift „100 Jahre FC 07 Furtwangen e.V. 1907–2007“, insbesondere die Vereinschronik Teil 1 (1907–1982) und Teil 2 (1983–2007). Bildunterschriften und Personennamen wurden nur dort ergänzt, wo sie in der Festschrift ausdrücklich zugeordnet sind.